18.02.2019

Ausstellung von Richard Muth in der SteinTherme

Ab Mittwoch, dem 20.02.19, sind im Foyer der SteinTherme Werke von Richard Muth, auch als Maler des Heimatkalenders bekannt, zu sehen. Die Ausstellungeröffnung wird am 20.02.19 um 14 Uhr im Thermenfoyer von der Chronistenvereinigung Bad Belzig, unter der Leitung von Chris Rappaport, organisiert. Etwa 30 Chronisten nehmen an der Vernissage teil, bei der Dr. Rainer Paetau über Werke und interessante Stationen aus dem Leben von Richard Muth informiert. Eröffnet wird die Ausstellung von Günter Baaske und Dr. Christian Kirchner. Geschichts- und kunstinteressierte Bürger und Gäste sind am 20.02.19 herzlich eingeladen.

Mit schneller Hand fertigte Richard Muth Skizzen von Landschaften und Ortsansichten der Mittelmark und des Havellandes, die er bei Bedarf nachträglich kolorieren konnte. Richard Muth war ein Meister des filigranen Zeichnens mit Stift und Feder. Mit diesen eher konservativen Vorlagen illustrierte er diverse Heimatkalender, Heimatblätter oder regionale Kunst- und Kulturzeitschriften. Einen größeren Teil seiner Zeichnungen veröffentlichte er beispielsweise im „Heimatkalender für den Kreis Zauch-Belzig" seit 1925. Viele Grafiken Muths dürften den Ortschronisten bei ihren Recherchen mit dem alten Heimatkalender schon begegnet sein.
Seine Bildmotive fertigte Muth realistisch, gelegentlich in reduzierter Form. Mit einfachen Mitteln gelangen ihm in perspektivisch-räumlicher Hinsicht beeindruckende Ergebnisse. Expressionistische Stilelemente waren ihm fremd. Damit deckte Muth für die seit Beginn des 20. Jahrhunderts aufkommende Heimatbewegung einen soziokulturellen wie künstlerischen Bedarf besonders in den 1920er Jahren. Es blieb nicht aus, dass die Nationalsozialisten nach seinem Tode 1933 ihre regionalen Zeitschriften mit Heimat-Motiven Muths illustrierten.
Richard Muth wurde am 6. Oktober 1868 in Berlin geboren – also vor 150 Jahren. Er absolvierte Kunstschulen in Berlin und München. Wie es bei jungen Künstlern des 19. Jahrhunderts in Mode war, reiste auch Muth zu Studienzwecken nach Italien. Der Mythos der Antike, kunstgeschichtliche Vorbilder, landschaftliche Besonderheiten sowie die hellen mediterranen Farben hatten es einer neuen Künstler-Generation um 1900 angetan. Muth kam wohl mit einem reich gefüllten Skizzenbuch und mit Mappen sehenswerter Aquarelle zurück, die er wenig später in Berliner Ausstellungen präsentieren konnte.
Seinen Lebensunterhalt verdiente Muth als freischaffender Künstler vor allem mit Werbeaufträgen für Unternehmen. Sammelbilder bzw. Sammelalben zur deutschen Kunst- und Kulturgeschichte erfreuten sich vor etwa 100 Jahren großer Beliebtheit und wurden von Betrieben – etwa der Lebensmittelindustrie wie Palmin, Stollwerck oder Sarotti als Werbemittel benutzt. Als Grafiker lieferte Muth die zeichnerischen Vorlagen für die in großer Auflage gedruckten Reklamebilder. Der Markt für plakative Produktwerbung begann um 1900 zu boomen. Um Aufträge zu erhalten, mussten Künstler sich mit kreativen wie innovativen Ideen und Projekten hervortun. Muth gelang es, sich mit Muster- und Werbevorlagen in Zeitschriften für das grafische Kunstgewerbe um 1910 einen gewissen Namen zu machen.
Das hohe Ziel von Künstlern war und ist es, mit eigenen Werken auf renommierten Ausstellungen repräsentiert zu sein. Dies gelang Muth mit seiner Teilnahme an den „Großen Berliner Kunstausstellungen" bis zum Ersten Weltkrieg. Dort wurden Bilder mit italienisch-mediterranen Motiven und mit Ansichten seiner berlin-brandenburgischen Heimat gezeigt. Bislang nachgewiesen ist seine Teilnahme an den Kunstausstellungen von 1904, 1911, 1912 und 1914.
Der Zusammenbruch des Kaiserreichs, die wirtschaftlich schwierige Lage nach dem Ersten Weltkrieg, und die politisch instabile Weimarer Republik erschwerten auch das Leben von Richard Muth und seiner Familie mit fünf Kindern. Fortan musste er mit kleineren Kunstaufträgen mehr schlecht als recht über die Runden kommen. So versuchte er sich als Zeichenlehrer in Berlin, verschönerte kommunales Notgeld von 1922 in Michendorf oder „bezahlte" seine Rechnungen im Jahr der Hyperinflation im Austausch gegen seine Kunstwerke. Zudem verdingte er sich zu Beginn der 1920er Jahre als Vorsteher des Amtes Saarmund und war von 1921 bis 1925 für die SPD als Abgeordneter des Kreises Zauch-Belzig tätig.
Vor 1907 wohnte Muth in Caputh und seitdem in Rehbrücke im Bärwinkel; von 1921 bis zu seinem Tode 1933 lebte er in Michendorf in der Potsdamer Straße. In dieser Zeit wandte Muth sich verstärkt der Landschaftsmalerei seiner brandenburgischen Heimat zu. Da er aus finanziellen Gründen aufwändige Bilder in Öl vermutlich nur noch als Auftragsarbeiten erledigen konnte, zeichnete er fortan mit Bleistift, Kohle oder mit Feder in schwarzer Tinte, die er bei Bedarf nachträglich kolorieren konnte. Diesem Umstand verdankt der „Heimatkalender für den Kreis Zauch-Belzig" in den 20-er Jahren exklusive Illustrationen. Richard Muth ist nach 1933/45 in Vergessenheit geraten. Informationen zu seiner Biografie sind rar. Sein künstlerisches Werk ist weit verstreut, zum Teil auch verschollen. Die Wiederentdeckung Muths ist dem Gründungsmitglied der Chronistenvereinigung Dr. Hans-Joachim Strich zu verdanken. Ein Ausstellungskatalog mit den wesentlichen Bildern Muths zur Mittelmark kann für 20 Euro beim Autor erworben werden. Für die Region sind die Bilder Muths von kulturgeschichtlicher Bedeutung.
Die Ausstellung ist bis 31.03.19 kostenfrei im Thermenfoyer zu sehen.

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